Eine kurze Geschichte
des Nonnenmattweihers
 

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Dieses Bild (Reproduktion aus Ückert, Kurt "Der Nonnenmattweiher", Schopfheim 1989) zeigt den Weiher um 1900. Die Moräne baumlos, die Fischerhütte direkt am Weiher, das Ufer von jeder Vegetation "befreit".
   

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Nach der letzten Eiszeit blieb ein Kar zurück, vielleicht sogar ein Karsee…
Wir wissen es nicht.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts kamen findige Menschen auf die Idee, einen Damm zu errichten, so dass sich ein Weiher bilden konnte. Sicher erhofften sie sich eine weitere Nahrungsquelle – Fische! Als sich das Wasser sammelte, löste sich der torfige Untergrund, schwamm auf und bildete eine Torfinsel.

Seinen Namen bekam der Weiher von den "Nunnen" oder auch "Nonnen" genannten Kühen, die nicht gedeckt wurden und zur Milcherzeugung dienten, sondern als Mastvieh auf die Weide beim Weiher - Nunnenmatt - getrieben wurden.

Am 1. März 1922 geschah ein Unglück: der künstliche Damm brach, das Wasser des Weihers stürzte zu Tal. Es gab Verwüstungen, beschädigte Häuser in Heubronn und besonders in Bürchau. Die Auswirkungen waren bis Langenau zu besichtigen.
Es setzte eine Art Katastophentourismus ein, Busfahrten zum Schauplatz wurden organisiert, doch der Weiher war weg.

Er blieb für 12 Jahre verschwunden.

Anfang der dreißiger Jahre beschloss man, den Damm neu zu errichten. Am 9. und 10. Juni 1934 feierte man die „Einweihung“ des wieder aufgestauten Sees.

1975 baggerte man den See aus und entfernte große Teile der Torfinsel aus Furcht vor Verlandung.

Ansonsten konnte sich der Weiher und seine Umgebung für 50 Jahre weitgehend ungestört entwickeln. Die Natur dankte es. Es entstand ein Ort, der Naturfreunde anzog und aufmerksam werden ließ. Der Reiz dieses besonderen Platzes wurde entdeckt. Der Wald hatte sich ungestört ausgedehnt. Die Bäume wurzelten bis unmittelbar an die Ufer, Äste hingen weit über die Wasseroberfläche. Der Weiher war wie ein dunkles Auge inmitten eines dichten Waldes. Wanderer hielten inne, atmeten die Atmosphäre und nahmen die Eindrücke mit ins Tal.

Dieser Zustand wurde als schützenswert empfunden. Am 31. Juli 1987 erließ das Regierungspräsidium in Freiburg eine Verordnung über das Naturschutzgebiet Nonnenmattweiher. Diese Naturschutzverordnung verbietet Eingriffe aller Art. Wenn man sie liest, glaubt man den Schutzzweck erfüllt. Der Ort schien geschützt und unverletzbar.

Dann kam Lothar. Zur Jahrtausendwende wütete ein Jahrhundertsturm. Doch am Nonnenmattweiher fiel kein Baum. Wie durch ein Wunder wurden die Baumriesen verschont. Der Zauber hielt.

Um Pfingsten 2004 geschah das Unglaubliche: Zahllose Bäume wurden ein Opfer der Kettensägen. Der See solle Licht bekommen. Das Wasser sollte nicht länger durch herab fallendes Laub "verschmutzt" werden…
Naturfreunde versuchten noch während der Fällaktion amtliche und halbamtliche Naturschützer zu alarmieren. Doch der Schwarzwaldverein blieb stumm und das Regierungspräsidium meldete sich, nachdem alles vorbei war.

Im Nachhinein befand es die Aktion „gerade noch in Ordnung“. Die Empörung unter den Freunden des Weihers war groß. Leserbriefe wurden geschrieben, es zeigte sich eine Entrüstung, mit der vielleicht auch die Initiatoren des Einschlags nicht gerechnet hatten. Nun sei aber auch für 20 Jahre Ruhe, äußerte sich der Bürgermeister. Der Schaden war angerichtet, aber immerhin, der Weiher, der Wald sollten sich für 20 Jahre wieder ungestört entwickeln können…

Nur zwei Jahre später war die Ruhe wieder vorbei. Die Nonnenmattweiherspur, die seit vielen Jahren bestehende Langlaufloipe "musste" ausgebaut werden. Für die Skatingtechnik. Sehr breit also. Quasi vierspurig. Klar, dass da wieder ein paar Bäume im Weg waren…

Aber nicht genug. Der Wald, der die Moräne am Nordufer des Weihers bedeckt, musste zur „Waldweide“ werden. Man dünnte ihn aus, damit dort wieder Tiere weiden können. Natürlich werden Badegäste jetzt auch Licht und Schattenplätze finden und können im Sommer schön auf den Weiher hinab blicken. An Weideplätzen bestehe eigentlich kein Mangel, wird freimütig eingeräumt. Aber die Bäume müssen halt weg. Um Neunzehnhundert soll es auch schon mal so gewesen sein (siehe Bild oben).

Man hat – mit reichlichen Fördermitteln – einen gewesenen Zustand wieder hergestellt.

Nun drängen sich dem einen oder anderen doch Fragen auf:

Wollte man, als der Weiher in den 1980er Jahren unter Naturschutz gestellt wurde, den damaligen Zustand schützen, oder einen vermeintlichen vorigen Zustand wieder herstellen?

Warum müssen ausgerechnet in einem Naturschutzgebiet quasi experimentell vergangene Zustände künstlich wieder herbeigeführt werden?

Wo wird man bei diesem Unterfangen wohl inne halten?
Um Neunzehnhundert, als der Schwarzwald generell in einem schlimmen Zustand war? Oder sollte man nicht konsequenterweise weiter zurückgehen? Bis zur letzten Eiszeit etwa? Man hat den Eindruck, dass manche Zeitgenossen biblische Zustände anstreben. Wie heißt es da? „Am Anfang war die Erde wüst und leer.“

Quellen:

Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Freiburg, Sigmaringen 1998
Ückert, Kurt, Der Nonnenmattweiher, Schopfheim 1989

 

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